Universal Peace Federation Tagung in Berlin


Studio 96 Medieninformation

Volker Taher Neef


Die Universal Peace Federation (UPF) Deutschland e. V. lud kürzlich in Berlin- Schöneberg zu einer Tagung ein. Laut Satzung sagt die gemeinnützige UPF „Der Vereinszweck ist die Völkerverständigung als Grundlage zur Förderung des Weltfriedens. “Als erste Referentin kam die bekannte Religionswissenschaftlerin Dr.Gabriele Yonan zu Wort. Sie sprach zum Thema „Religion und Weltfriede.“ Die frühere Dozentin der Humboldt- Universität sprach das Jahr 1893 an. Man gründete das Weltparlament der Religionen. Sie verwies auch darauf, der interreligiöse Dialog sei schon viel älter und fange nicht erst 1893 an. „Die Leute des Buches werden im Koran, dem Heiligen Werk der Muslime, anerkannt“, sagte Dr. Yonan. Das sei ungefähr um 650 gewesen. Auch das sei ein Zeichen des interreligiösen Verständnisses. „Wenn Imame heute vereinzelt von Ungläubigen reden, ist das nicht im Sinne des Propheten Mohamed“, fuhr sie fort. Auch habe es schon im 11. und 12. Jahrhundert Dialoge zwischen Muslimen und Christen gegeben. Ein einschneidendes Jahr sei 1492 gewesen. Juden wurden aus dem katholischen Spanien heraus geworfen. Der Sultan von Konstantinopel gab den Juden ein neues zu Hause. Bis heute lebe diese Minderheit in der Türkei, sie habe eine eigene Zeitung und beherrsche immer noch ein altes Spanisch, wie man es damals in Cordoba sprach. Viele Suren im Koran belegen klar, der Koran will gar nicht die alleinige Religion auf der Welt sein.

 

Die Religionen haben nach Ansicht der Religionswissenschaftlerin weltweit einen anderen Stellenwert als hier. In den USA falle ein Bürger auf, wenn er keine Religion habe. Es gäbe sogar eine indirekte „Religionspflicht. Wer beispielsweise Hochschullehrer werden wolle, stelle schnell fest, ohne Religion geht gar nichts.“ So sei auch in Russland zu beobachten, Religion habe wieder einen hohen Stellenwert. Viele Jahrzehnte Kommunismus konnten religiöse Bindungen nicht gänzlich aufheben. Dr. Yonan erwähnte auch den interreligiösen Dialog in Berlin im Jahre 1910. Der Kongress lautete „Weltkongress Freies Christentum und religiöser Fortschritt.“ 1913 warf der Marburger Religionswissenschaftler Prof. Dr. Rudolf Otto in seinem Buch die rhetorische Frage auf: “Brauchen wir eine Universalreligion?“ Er selber habe diese Frage verneint. Sein 1917 herausgegebenes Buch fand ja weltweite Beachtung. Man dürfe auch die Historie nicht außer Acht lassen. Immerhin seien 12 Monate nach dem Erscheinen des wichtigsten Werkes von Otto 4 König- und Kaiserreiche zerfallen. Das Osmanische Reich, die K u K- Monarchie, der Zar in Russland, das Deutsche Kaiserreich. In Deutschland gibt es nach Feststellung der Religionswissenschaftlerin heute 22 Lehrstühle für Religionswissenschaftler. Davon kommen „50 % aus der Theologie heraus.“1970 habe sich in Japan eine international tätige interreligiöse Bewegung gegründet, die auch in Deutschland vertreten sei, die WRCP. Berlin sei schon immer eine Stadt des größten Pluralismus gewesen, auch in religiösen Dingen. So habe keine andere Stadt einen interreligiösen Zusammenschluss vorzuweisen, der älter als 60 Jahre alt sei. 1947 habe sich in Berlin die Arbeitsgemeinschaft der Kirchen und Religionsgemeinschaften (AKR) gegründet. Der anwesende Leiter der „Islamischen Gemeinschaft deutschsprachiger Muslime“, Mohamed Herzog, verwies auf die von der AKR gestalteten Radiosendungen im „DeutschlandradioKultur“ und regelmäßige Diskussionsforen seitens der AKR.(www.akr-berlin.de)

 

Dr. Yonan wies darauf hin „Religion ist etwas anderes als Kirche, Synagoge, Moschee.“ Selbst über den Ursprung des Wortes Religion herrsche keine Einigkeit. Die beiden großen Kirchen haben das Wort Sekte stark diskreditiert. Besonders in den Jahren 1970-1990 haben die beiden großen Kirchen „das Wort Sekte missbraucht. Sowohl als Kampfbegriff als auch zum Schimpfwort umgewandelt“, so Gabriele Yonan. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg sei das Wort Religion zweckentfremdet worden.Im Kommunismus und im Dritten Reich sprach man von einem „Glauben and den Führer.“ Mal hieß dieser Führer Hitler, mal Lenin oder Stalin. Die Herrschenden haben einfach „Elemente der Religion sich einverleibt.“ Es sei „generell schwierig, Religion zu definieren, auch für den einzelnen Menschen. Ein Muslim könne man auch sein, wenn man nicht 5 Mal täglich betet.“ Es komme darauf an, ob sich der Betreffende als Muslim beispielsweise fühle, auch sei wichtig, was er sonst an religiösen Dingen tue oder lasse. Das ungestörte Ausüben einer anderen Religion mache diesen Einzelnen ja schon zum religiösen Menschen. Man handelt ja schon in einer religiösen Freiheit, wenn man keine Religion behindere oder gegen religiöse Menschen hetze. Ein großes Problem ergäbe sich immer durch die Verfälschungen. Es würden Religionsverfälschungen durchgeführt, mal von Angehörigen der anderen Religionen, mal aus den eigenen Reihen, mal von Menschen ohne religiöse Bindung. Lobenswert sei auch das Weltethos des Theologen Prof. Küng. Aber auch kleine Gesten zeugten von religiöser Toleranz. Dabei fiele ihr immer der so oft gescholtene Iran ein, so Dr. Gabriele Yonan. Im Teheraner Parlament säßen christliche, jüdische und Abgeordnete anderer Minderheitenreligionen. Für sie bestehe Minderheitenschutz und der islamische Staat Iran lege großen Wert auf den Rat der Abgeordneten aus den Reihen der religiösen Minderheiten.

 

Reinhard Egy sprach dann zum Thema Menschenrechte. Er ist Vorsitzender der Menschenrechtsorganisation Human Rights und gab einen geschichtlichen Überblick. Auch sprach er weltweite Menschrechtsverletzungen an. Dabei, so Reinhard Egy, stünden jedem Menschen ab seiner Geburt die gleichen Rechte zu. Ziel der Menschenrechtsinitiative sei es, ein Bewusstsein für die Menschenrechte zu schaffen und diese bekannt zu machen. Er führte aus, Menschenrechte seien zwar in der großen Politik zu finden, aber auch an den kleinen Plätzen, nahe dem eigenen Heim. In der Welt des Einzelnen, seiner Nachbarschaft, am Arbeitsplatz und in der Schule sind Menschenrechte und deren Umsetzung von Bedeutung. Wenn die Jugendlichen die Menschenrechte kennen, sollte sich mehr gegenseitiger Respekt vor der Würde des Anderen einstellen und dies führt mittelfristig zu einem Rückgang der Jugendkriminalität.Näheres ist zu finden unter: www.humanrights.com Im Gespräch mit MEDIEN- INFOBERLIN erklärte Reinhard Egy, jeder könne sich bei Human Rights einbringen. „Egal, welche Hautfarbe, welche Religion, welches Geschlecht man habe, man setzt sich bei uns für die Menschenrechte ein .Nur das steht bei uns an.“ Dr. Gabriele Yonan stand MEDIENINFO- BERLIN auch für ein Statement zur Verfügung. Wir fragten sie nach ihren persönlichen Wünschen in Sachen Religion. „Ich wünsche mir, dass es in Berlin nicht eine Einteilung in falsche und richtige Religion gibt. Keine Religion hat das Recht, einer anderen Religion, sei sie groß oder klein, dieses Recht abzusprechen.“

 

Der Leiter des UPF- Büros in Berlin, der Journalist und Mediengestalter Achim Pock, konnte über die zahlreichen Gäste und die Aussagen der Referenten nur lobende Wort von sich geben. So zeige doch die Resonanz der Zuhörer, wie wichtig diese Tagung war. Man werde weiterhin Veranstaltungen dieser Art durchführen.
Näheres über die UPF unter:
www.upf-deutschland.de

Foto: 1 Frau Dr. Gabriele Yonan
Foto: 2 Herr Dr. h.c. Mohammed Herzod
Foto: 3 Herr Reinhard Egy

Fotos: Günter Meißner/MEDIENINFO- BERLIN
Text: 1. Redakteur Volker- Taher Neef

 

 

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