Neue Ansätze für die Friedensbildung
UPF hält Seminar für Friedensbotschafter in Nürnberg

„Eine Orientierung an gemeinsamen Werten, die Menschen aller Rassen und Religionen zu einer Menschheitsfamilie zusammenführen können“, ist nach Vincenzo Campione, Sprecher von UPF Nürnberg und Moderator des Seminars, „das Ziel, für das sich die Universal Peace Federation einsetzt“. Eine Einstimmung dafür gab Erika Lunz auf ihrer Violine mit Musik, die die Herzen aller Anwesenden in harmonische Resonanz versetzte. Die 54 Teilnehmer, die am 18. Oktober 2008 in den Räumen der Nürnberger Familienföderation von 10:00 bis 18:00 Uhr am Programm teilnahmen, repräsentierten selbst eine „Welt im Kleinen“, mit Gästen aus verschiedenen europäischen Ländern sowie aus Afrika und Südost-Asien.
Karl Meier, 1. Vorsitzender der UPF Deutschland, erzählte in
seiner Begrüßungsansprache von den Erfahrungen, die er in seiner Tätigkeit mit
NGO’s und der UNO, 8 Jahre davon in Afrika, gemacht hat. Nachdem er
insbesondere im Sudan die Ineffektivität der UNO im Umgang mit kriegerischen
Auseinandersetzungen am eigenen Leib erfahren hatte, fand er in den
Friedensprinzipien der UPF neue Hoffnung auf eine Verbesserung der prekären
Lage unserer Welt. Insbesondere die Vorschläge zur Erneuerung der UNO und die
Schaffung eines Friedensrats unter Beteiligung der Weltreligionen stellten
wichtige Impulse dar. Im Anschluss an seine Worte vermittelte ein 10minütiger
Film einen Überblick über die weltweiten Aktivitäten der UPF seit ihrer
Gründung durch Dr. Moon am 12. September
2005 in New York.

Hoffnung auf eine bessere Welt zu vermitteln gelang dem ersten Sprecher, Karl-Christian Hausmann, Vorsitzender der Familienföderation e.V., in seinem Vortrag über die „Fünf Prinzipien des Friedens“. Er erinnerte an die Milleniumsziele der UNO, die Kofi Anan 2000 zusammen mit dem Aufruf verkündete, dafür nationale Grenzen zu überwinden, wie auch an das Motto der Olympischen Spiele 2008 in Peking: „One World-One Dream“. Um diese Ziele zu erreichen und den Traum Wirklichkeit werden zu lassen, müsse die Menschheit sich der universellen geistigen Gesetze bewusst werden, die unser Leben bestimmen, und nach ihnen leben. Dazu gehörten das Prinzip der Kooperation und ein Leben zum Wohle anderer; die harmonische Entwicklung der Persönlichkeit innerhalb einer liebevollen Familie; die Erkenntnis, dass alle Menschen einen gemeinsamen geistigen Ursprung haben, den wir „Gott“ (oder anders) nennen; die Ausrichtung auf die geistig-moralische Natur des Menschen; sowie die Zusammenarbeit über ethnische, religiöse und nationale Grenzen hinweg.
Den hohen Wert von intakten Familien für den einzelnen wie auch für die Gesellschaft erläuterte Hildegard Piepenburg, Vorstandsmitglied der Familienföderation, in ihrem profunden Referat „Die Familie als Schule der Liebe und des Friedens“. Nicht nur die Religionen wiesen darauf hin, dass Liebe für die menschliche Entwicklung eine entscheidende Rolle spiele, auch die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere der Hirn- und Bindungsforschung bestätigten dies. Sie besagten, dass gelingende Beziehungen mit der Ausschüttung von Botenstoffen wie Oxytozin (für Bindung und Vertrauen), Dopamin (für Konzentration und Handlungsbereitschaft) und Opioiden wie den Endorphinen (für emotionale Steuerung und Lebensfreude) einhergehen, welche Gehirnwachstum und Gesundheit förderten. Egoismus dagegen laufe der menschlichen Natur im Grunde zuwider, und soziale Isolation und Beziehungsstress machten den Menschen langfristig seelisch und körperlich krank. Piepenburg plädierte dafür, ein „Rettungspaket für die Familie“ zu schnüren, wie es gegenwärtig zur Rettung des Finanzsystems getan werde, und dabei insbesondere den kindlichen Bindungsbedürfnissen Rechnung zu tragen, deren Erfüllung für die seelische Gesundheit von elementarer Bedeutung sei.

Nach der Mittagspause, in der dem köstlichen Büfett reichlich zugesprochen und angeregt diskutiert wurde, ging Herr Hausmann in seinem zweiten Vortrag auf das Thema „Entstehung der Konflikte und Wege zur Lösung“ ein. Mit anschaulichen Beispielen aus seinem persönlichen Leben gab er dabei nicht nur Anlass zur Erheiterung der Zuhörer, sondern auch zu deren Selbstreflexion. Obgleich viele Zeitgenossen in den Religionen gegenwärtig keine große Hilfe für die Lösung von Konflikten sähen, sei es nicht von der Hand zu weisen, dass gerade sie die Quelle höchster Werte und Ideale seien und machtvolle Instrumente zur persönlichen Transformation und Friedfertigkeit bereithielten. Anhand seiner Definition von Sünde als „Verfehlung des eigentlichen Ziels“ erläuterte er, warum die Menschheit nach ihrer Trennung von Gott (dem „Sündenfall“) die Religion als eine Art „Reparaturwerkstätte“ gebraucht habe. Das Beispiel von Jakob und Esau bot Hausmann reichlich Stoff um zu zeigen, wie Vergebung und Versöhnung als notwendige Voraussetzung für nachhaltigen Frieden gelingen könne. Kampf dagegen könne niemals einen Konflikt lösen, es sei vielmehr wichtig, die Feindschaft zu beenden.
Als letzter Redner des Tages stellte Fritz Piepenburg, 2. Vorsitzender der UPF, unter dem Titel „Ein Leben für den Weltfrieden – Was macht den Propheten zum Propheten“ einen Vergleich der Lebenswege fünf prominenter Friedensstifter und Religionsgründer vor: Moses, Buddha, Jesus, Mohammed und Rev. Moon: Sie alle hatten ein Schlüsselerlebnis, in dem sie den göttlichen Auftrag für ihre Mission erhielten; sie trafen auf Ablehnung und Verfolgung seitens des religiösen und gesellschaftlichen Establishments; sie lehrten einen Weg zu persönlicher Lebensqualität und guten zwischenmenschlichen Beziehungen; und sie hatten eine Vision und Verheißung für eine bessere Zukunft im Diesseits wie im Jenseits. In seinem Ausblick stellte Piepenburg eine Analogie aus der „Pluralistischen Theologie der Religionen“ vor: Ähnlich wie das Ptolemäische Weltbild die Erde im Mittelpunkt des Sonnensystems sah, betrachte jede Religion sich selbst als Mittelpunkt, um den alle anderen kreisen müssten. Das „Kopernikanische Weltbild der Religion“ setze dagegen Gott ins Zentrum, um das alle Religionen sich wie die Planeten harmonisch bewegten. Eine meditative, mit Musik untermalte Bilderreise durch Stationen des bislang 88jährigen Lebenswegs des Gründers der UPF bot abschließend die Gelegenheit zur Reflexion.
Die Teilnehmer nahmen regen Anteil an allen Vorträgen und stellten im jeweils anschließenden Diskussionsteil neben ihren Fragen auch eigene Beobachtungen und Kommentare zur Diskussion. Großen Beifall erhielten auch die drei Gäste, die am Ende der Veranstaltung eine Friedensbotschafter-Urkunde für besondere Anstrengungen in der Verwirklichung von Frieden und der Verbesserung der Lebensumstände anderer Menschen erhielten.