Am 24.Oktober 2009 fand in den Räumen der Familienföderation Nürnberg die zweite UPF-Konferenz statt. Der Veranstaltungsraum der Gemeinde Nürnberg war mit 38 Teilnehmern gut gefüllt. Wir konnten 18 Gäste aus christlichen, buddhistischen und islamischen Gemeinden begrüßen. Zum Thema „Wertegrundlagen für eine friedliche Gesellschaft“ waren vier Referenten eingeladen.
Die
Veranstaltung wurde um 14.00 Uhr von Enzo Campione eröffnet. In seiner Einleitungbetonte er die
Wichtigkeit von inneren Werten für den Frieden. Vergangene Bewegungen wie die
Hippiebewegung oder die Frauenbewegung waren immer gegen etwas gerichtet.
Voraussetzung für einen Fortschritt im Frieden ist jedoch der Dialog,
insbesondere, um die unzähligen Vorurteile aufzulösen, die sich zwischen den
Kulturen angesammelt haben. Mit den Friedensbotschaftern, so seine Hoffnung,
gibt es eine neue Bewegung mit einem neuen Bewusstsein und dem Ziel einer
Weltfamilie unter Gott. - Danach trug ein Chor der International Christian
Fellowship einige inspirierende Lieder vor, wofür sich alle mit großem Beifall
bedankten.
Als
erster Referent sprach Christian
Hausmann, Vorsitzender der Familienföderation Deutschland, zum Thema „Was hält unsere Gesellschaft zusammen?
Werte für das 21. Jahrhundert“: Die Welt, in der wir leben ist eine Welt
der Globalisierung, was eigentlich bedeutet, dass wir uns inmitten einer
„Riesenvölkerwanderung“ befinden. Allein in Stuttgart ist der Anteil der
Bevölkerung mit Migrationshintergrund 30 Prozent! Im Gegensatz zu dieser
Schnelligkeit der äußeren Veränderungen ist in der inneren Entwicklung eine
gewisse Starre zu beobachten. Die entscheidende Frage ist: Gibt es Werte für
alle? Gibt es einen Klebstoff, der den losen Sand zusammenhält? Die Frage ist
brandaktuell, denn blickt man z.B. auf den Staat, so lebt dieser von
Voraussetzungen, die er selbst nicht schafft: Toleranz, Respekt,
Verantwortungsbewusstsein, Wahrheitsliebe und Mitgefühl. Religionen erzeugen
solche Werte und darin gleichen sich 80 Prozent der Aussagen aller großen
Religionen! Wegen eines falsch verstandenen Alleinvertretungsanspruches sind
Religionen leider auch Ursache für Konflikte. Hier hilft nur eine Rückbesinnung
auf die Kernbotschaft, wie sie auch Martin Luther leidenschaftlich forderte:
„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit (Matt.6,33)“.
Er stellte in diesem Zusammenhang eine bemerkenswerte Frage: „Welche gelebte
Wahrheit vertreten wir?“ - Ein weiterer interessanter Gedanke ist der Vergleich
der Religionen mit Reparaturwerkstätten für den disfunktionalen Menschen sind,
die dann nicht mehr erforderlich sein werden, wenn der ursprüngliche Zweck, ein
Leben im Reiche Gottes, erfüllt ist. Daher müssen alle Religionen gleichsam
einen Quantensprung in ihrem Bewusstsein vollbringen. So wie Konfuzius der
geistige Berater des Kaisers war und für das „himmlische Gesetz“ eintrat, ist
auf UNO-Ebene ein Rat der Religionen erforderlich, der eben dieses „himmlische
Gesetz“ postuliert und zu seiner Einhaltung drängt.
Sodann brachte er zur Situation der Familien einige Zahlen aus dem Stuttgarter Landtag: Es gibt zurzeit 110.000 Jugendliche mit auffälligem Verhalten, die fast ausschließlich aus instabilen Familien kommen. Deren Betreuung kostet dem Steuerzahler 640 Mio Euro. 85 Prozent der Pflegeleistungen wird in Familien erbracht. Wenn es nur 5% weniger wären, käme es zu einem Zusammenbruch des Finanzsystems. Wir können uns also ein Scheitern der Familie nicht leisten! Familie ist nach Pestalozzi „Zeit, Zuwendung, Zärtlichkeit“. Wäre da eine Art Elternführerschein nicht sinnvoll als Vorbereitung, um Kindern solch eine Familie bieten zu können?
Zum
Schluss schnitt Herr Hausmann noch kurz die Finanz- und Wirtschaftskrise an,
die er als Missbrauch von Freiheit sah. Um von einer Leistungselite zu einer
Verantwortungselite zu kommen, empfahl er Serviceprojekte für junge Leute im
Ausland, die damit Erfahrungen mit anderen Kulturen sammeln könnten. Als
Schlussfolgerung betonte er die Notwendigkeit der Religion für die Bildung
einer charakterstarken Persönlichkeit. Aber noch wichtiger als Religion sei die
Familie.
Der
nächste Referent wurde mit besonderem Beifall begrüßt: Samuel Hookway, zur Zeit in Vorbereitung auf ein Wirtschaftsstudium,
sprach zum Thema: Wo beginnt der Friede?
Junge Menschen denken, der Friede wird von Regierung, Vereinte Nationen,
Sicherheitsrat oder ähnliche Organe garantiert. Tatsächlich aber gibt es Krieg
zwischen Menschen und Konflikte selbst innerhalb einer Person. Friede ist nicht
das Ende von Gewalt sondern das Gefühl der Brüderlichkeit. Friede ist eine zu
ernste Sache, als dass man sie den Politikern überlassen könnte. Sie erfordert
persönliche Anstrengung. Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit einer
Erziehung zum Frieden. Wie soll die aussehen? Die Gesellschaft in ihrer
gegenwärtigen Konsumorientiertheit tut sich darin schwer. Auch die Erziehung in
Schulen durch friedenspädagogische Prinzipien ist begrenzt, da wir außerhalb
wieder auf die gleichen Verhaltensmuster stoßen. Die Friedenserziehung muss
bereits in der Familie, als essentiellem Baustein unserer Gesellschaft
stattfinden: In einer friedlichen Familie kommt das Glück von selber
(Sprichwort aus China).
Dann gab er noch Beispiele für wichtige Qualitäten eines friedlichen Menschen:
- Ein Leben führen, welches auf das Wohl des Größeren ausgerichtet ist.
- Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen bzw. zu einer verantwortungsvollen Person heranzureifen und dadurch in der Lage sein, seine eigenen Potenziale zu verwirklichen.
- Zu einem Menschen zu werden, der im Team auf ein gemeinsames Ziel hin arbeiten kann.
- Große Visionen haben. Nach dem Gesetz der Anziehung, ziehen wir die Dinge an, mit denen wir uns gedanklich viel befassen. Wir müssen Menschen mit friedlichen Gedanken werden.
Schließlich versuchte er noch die Frage zu beantworten: Was bedeutet Frieden für mich persönlich? Seine Erfahrung dazu war: Sammlung und innere Ruhe im Gebet, mit Freunden etwas unternehmen, in der Natur alle Hektik vergessen, mit der Familie zusammen sein, tanzen, Sport treiben. Und noch etwas: Lachen! Das vertreibt negative Gefühle. Die Weisheit alter Meister muss auch von jungen Menschen neu entdeckt werden: Frieden ist nichts, was von außen kommt, Frieden beginnt im Inneren. Es kommt nicht nur darauf an, was ich tue, sondern auch mit welcher Einstellung ich es tue, denn: „Den Frieden kann man weder in der Arbeit noch im Vergnügen, weder in der Welt noch in einem Kloster, sondern nur in der eigenen Seele finden (William Somerset Maugham)“.
Nach einer Pause sprach Robert Jandaka von der buddhistischen Gemeinde Erlangen zum Thema: „Kein Weltfrieden ohne Versöhnung der Religionen - Eine buddhistische Annäherung“. Die gegenwärtige Weltsituation sehe er so, dass große Krisen oftmals Begleiter von großen Veränderungen sind. Er selber war 13 Jahre buddhistischer Mönch, kehrte danach wieder ins normale Leben zurück, um sich persönlich weiter zu entwickeln. Diese Jahre eröffneten ihm einen völlig neuen Zugang zum Christentum.
Aus
seiner langjährigen spirituellen Erfahrung heraus gab er uns einen kompakten
Einblick in buddhistisches Denken: Alle Wesen wollen glücklich sein, aber sie
zerstören dieses Glück, als wäre es ihr größter Feind. Aus der Haltung „ICH
will glücklich sein!“ entsteht Gier, die uns von anderen trennt. Die Erfahrung
von Mangel verstärkt die Gier und wenn die anderen als Ursache für den Mangel
erkannt sind, entwickelt sich Hass. Hass und Gier haben dieselbe Eigenschaft,
wie wenn man Durst mit Salzwasser löschen will, ein Teufelskreis. Folgen wir
diesem, entsteht Verblendung und daraus alles Leiden. Die Erlösung kommt aus
der Erleuchtung, dass mein falsches Verlangen die Ursache des Leidens ist. Mit
dem Verlöschen des Leidens erreicht der Buddhist den Zustand des Nirwana. „Wenn
jeder Anhänger einer Religion diese auch praktizieren würde, wäre Friede auf
Erden.“ Neben dem persönlichen Egoismus finden wir diesen auch als
Gruppen-Egoismus, und in Form nationaler Egoismen wieder. Was unsere heutige
Zeit auszeichnet, ist ein Hunger nach Unwesentlichem auf der einen Seite und
eine verzweifelte Suche nach Ganzheit auf der anderen Seite. Im Weiteren
erläuterte Herr Jandaka das Konzept Ahimsa,
die Gewaltlosigkeit, die die Grundlage für das Handeln Mahatma Gandhis war:
Schwache müssen mit Ahimsa gegen Ungerechtigkeit kämpfen. Dann erwähnte er noch
die fünf Silas, Übungsregeln zur
Entwicklung eines friedlichen Charakters. Sie ähneln den 10 mosaischen Geboten,
sind aber nicht als Gebote formuliert (Du sollst…), sondern als tägliche
Anstrengung, die zum inneren Wachstum erforderlich ist. Als positiven Schluss
gab er uns mit: Seiner Beobachtung nach wächst in der Welt die Einsicht, dass
alle Menschen glücklich werden müssen.
Als
letzter Vortragender präsentierte uns Fritz
Piepenburg, 2.Vorsitzender von UPF-Deutschland, einen PP-Vortrag mit dem
Titel „UPF - Eine Vision für den
Frieden“. UPF (Universal Peace Federation) ist eine globale Allianz von
Individuen und Organisationen, die eine friedliche und harmonische Welt für
möglich halten. Die gemeinsame Vision ist die eine Menscheitsfamilie mit Gott
als Mittelpunkt, in Übereinstimmung mit universal gültigen Werten und
Prinzipien. Sie wurde 2005 anlässlich des 60.Geburtstages der Vereinten
Nationen von Dr. Sun Myung Moon gegründet und stellt die größte Hoffnung für
Frieden in dieser Welt dar.
Die fünf Prinzipien
sind so umfassend und trotzdem konkret genug, um als Basis für die Vision Frieden dienen zu können. In den vergangenen vier Jahren entwickelte sich eine Fülle von Aktivitäten.
Eines der bemerkenswertesten Projekte ist die Schaffung eines Interreligiösen Rates in der UNO. Damit soll das Friedenspotenzial der Weltreligionen für die Lösung globaler Probleme mobilisiert werden und zum Einsatz kommen. Ein Netzwerk interreligiöser Friedensaktivisten soll ins Leben gerufen werden, das die Anstrengungen der unterschiedlichsten Gruppierungen bündeln kann.
Um das Pulverfass Nahost zu entschärfen, gibt es die Nahost-Friedensinitiative: In Ergänzung zu den politischen Bemühungen hat MEPI (Middle East Peace Initiative) zum Ziel, Verständigung und Verständnis zwischen Juden, Muslimen und Christen zu erreichen und die Macht des Glaubens für den Frieden einzusetzen. Dies geschieht durch Friedensreisen und “fact-finding” Touren, Interreligiösen Dialog und Programme in Kunst und Sport.
Eine zentrale Bedeutung hat auch das Projekt „Friedensbotschafter“. Hier verpflichten sich Vertreter aus allen Religionen, Ethnien, Nationalitäten und Berufen, sich selbst in ihren Professionen in den Dienst des Friedens zu stellen. Ein herausragendes Ergebnis ist das so genannte Global Peace Festival, das mit einer Verbindung von Service, Kultur und Unterhaltung in zahlreichen Nationen schon Akzente für Frieden und Aussöhnung gesetzt hat.
Den Abschluss bildete noch die Präsentation des englischen Liedes „Jerusalem“ von Daliah Lavi, dessen Text in ergreifender Weise die verzweifelte Suche nach Frieden in diesem Brennpunkt der Kulturen schildert.
Dietmar Jorde
